Analyse eines Begriffs vs. begriffliche Analyse

16 06 2009

In der letzten Zeit höre oder lese ich immer wieder einen bestimmten Punkt. Doch je öfter ich ihn höre oder lese, desto mehr ärgert er mich. Es geht um Beschwerden des Typs: „Ich interessiere mich nicht für den Begriff des F; ich interessiere mich für Fs.“ Besonders beliebt ist diese Äußerung für F = Wissen. Um diese Klage im Keim zu ersticken, möchte ich eine terminologische Verabredung vorschlagen und hoffe, dass möglichst viele von Euch sich mir anschließen.

Wenn man von Begriffsanalysen spricht, dann kann man das auf zweierlei Weisen ausbuchstabieren:

(1) Wir analysieren den Begriff des F.

(2) Wir analysieren Fs auf  begriffliche Weise.

Ich möchte vorschlagen, dass wir ab sofort Redeweise wie (1) aufgeben und statt dessen nur noch à la (2) reden, d.h. die Objekte der Analyse sind nicht Begriffe, sondern die Art und Weise der Analyse ist eine begriffliche. So sollte es im Wikipedia-Artikel übers Gettierproblem nicht mehr heißen: „Das Gettier-Problem formuliert einen Einwand gegen die Analyse des Begriffs von Wissen als…“, sondern: „Das Gettier-Problem formuliert einen Einwand gegen die begriffliche Analyse von Wissen als…“. Wir sagen ja auch „chemische Analyse von Wasser“ und nicht „Analyse der Chemie von Wasser“.

Natürlich ändert diese terminologische Revision nichts an der Kritik an begrifflichen Analysen wie sie z.B. Williamson in Philosophy of Philosophy (Kap. 3 und 4) formuliert. Aber wir müssen uns nicht mehr herumschlagen mit Pseudo-Argumenten der Art „Ich interessier’ mich für die Welt, nicht für unsere Begriffe!“.


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19 Antworten

16 06 2009
Joachim Horvath

An sich kein schlechter Vorschlag – eine ähnliche Argumentation habe ich auch schon einmal zu Papier gebracht (leider noch nicht veröffentlicht)! Es gibt allerdings ein kleines Problem, an dem die geplante Verabredung wohl scheitern wird (ganz abgesehen davon, dass Philosophen eine tiefsitzende Abneigung dagegen haben, sich einfach mal so auf etwas zu einigen): Manche Philosophen vertreten ganz explizit und bewusst Deine Variante (1), z.B. Alvin Goldman.

17 06 2009
thelogosmustgoon

Vor lauter Genervtsein bin ich unvorsichtigerweise davon ausgegangen, dass niemand bloß den Begriff des F, aber nicht Fs analysieren möchte. Aber das wäre ja auch schon etwas, wenn nur noch diejenigen (1) sagen würden, die wirklich der Meinung sind, Gegenstand gewöhnlicher philosophischer Analysen wären wirklich nur die Begriffe! Leider sind Philosophen in dieser Hinsicht einfach keine Helden der Klarheit. Ein besonders auffälliges Beispiel in dieser Hinsicht ist, wie ich finde, die Stelle, die Williamson (PoP: 11) aus Ayer zitiert: „The philosopher [...] is not directly concerned with the physical properties of things. He is concerned only with the way in which we speak about them.“ Hier sagt Ayer im ersten Satz, dass philosophische Aussagen indirekt von den Dingen handeln, und im zweiten Satz, dass sie ausschließlich von unserer Redeweise handeln. Widerspricht er sich da nicht? Schon seit 1936 solch ein Chaos, deshalb mein Plädoyer: Wir brauchen terminologische Verabredungen!

10 07 2009
Ernst

Was soll denn der Unterschied sein zwischen einer Analyse des Begriffs von Wissen und der begrifflichen Analyse von Wissen? Ich erkenne darin nur eine Umformulierung.

Zu Ayer: Ayer widerspricht sich nur dann, wenn „the way in which we speak about things“ sich losgelöst von den „things“ betrachten lässt, was wohl kaum möglich ist. Begriffe und typische Anwendungsfälle können nicht getrennt voneinander untersucht werden. Natürlich kann man Analyse der Sache und Analyse des Begriffs unterscheiden. Müssen die beiden Untersuchungen sich aber ausschließen? ‘Den Begriff des Menschen untersuchen’ ist nicht deckungsgleich mit ‘Untersuchung des Menschen’ (die ja viel umfassender sein kann) – aber die Untersuchung des Begriffs vom Menschen ist zugleich auch eine Untersuchung des Menschen (nämlich: was ein Mensch ist, was ihn ausmacht, seine Natur). Von einem Chaos kann nicht die Rede sein.

11 07 2009
Charles

Ich springe da mal auf den Zug auf und stelle die Frage nach dem (/einem) Selbstverständnis der Philosophie:
Was ist denn überhaupt eine begriffliche Analyse? Und, was ist eine Analyse eines Begriffes (von etwas)?

Gibt es da paradigmatische Beispiele?

13 07 2009
thelogosmustgoon

Ernst, ich glaube, wir liegen nicht weit auseinander. Meines Erachtens ist das, was unter dem Namen „Analyse des Begriff des F“ läuft, oft nicht von einer begrifflichen Analyse von Fs zu unterscheiden. Letztere Formulierung hat jedoch den entscheidenden Vorteil, dass sie nicht zu einem möglichen Einwand einlädt. Der Einwand lautet, dass eine Analyse des Begriff des F keine Analyse von Fs ist. Analyse von A bedeutet, Thesen der Form
(1) Notwendigerweise, für alle x (x ist ein A genau dann, wenn x ist …)
aufzustellen, wobei „Notwendigerweise“ je nach Kontext als nomologische, metaphysische, logische oder eben begriffliche Notwendigkeit zu verstehen ist. Den Begriff des F analysiert man, wenn man Thesen der Form
(2) Notwendigerweise, für alle x (x ist der Begriff des F genau dann, wenn x ist…)
aufstellt. Nun kann man natürlich, wie Du, auf den Einwand antworten, dass mit „Analyse des Begriff des F“ nie gemeint war, den Begriff zu analysieren. Aber dann kann man das ja auch explizit machen, indem man von begrifflichen Analysen spricht! Mehr wollte ich eigentlich gar nicht sagen…

In Deinem Beispiel ist mir nicht ganz klar, was man tut, wenn man den Begriff des Menschen untersucht. Ob man auf begrifflichem Wege etwas über die Natur des Menschen lernen kann? Das erscheint mir kaum möglich.

13 07 2009
thelogosmustgoon

Charles, paradigmatisches Beispiel ist immer die Analyse von Wissen: S weiß, dass p, genau dann, wenn… Begrifflich ist diese Analyse, wenn das Bikonditional analytisch wahr ist.
Wer und wie viele Philosophen der Meinung waren, dass alle Philosophie in Analysen dieser Art besteht, und nach diesem Selbstverständnis auch gehandelt haben, kann ich nicht sagen. Um dies zu beantworten, müsste man wohl Fallstudien durchführen. Ein natürlicher Ausgangspunkt wäre, allein schon wegen des Titels, Ryles „Concept of Mind“. Siehe auch Hackers Rezension von Williamsons „Philosophy of Philosophy“ („A Philosopher of Philosophy“, in: Philosophical Quarterly 59: 337-348). Hacker meint, dass gute Philosophie wie z.B. Ryles Philosophie des Geistes nach begrifflichen Wahrheiten strebt, darunter aber keine Analysen im eben skizzierten Sinn zu verstehen seien.

13 07 2009
JH

Logos, ich versuche mich klarer auszudrücken.

(1) „Der Mensch ist ein Lebewesen.“ Das ist eine unleugbar wahre Aussage über den Menschen (über seine Natur) und zugleich, obwohl es nicht so aussieht, eine Analyse des Begriffs.

Die explizitere Form (2) „Es gehört zum Begriff des Menschen, dass er ein Lebewesen ist.“ sieht wie eine Analyse des Begriffs aus; es ist jedoch klar, dass es sich bei (1) und (2) um dieselbe begriffliche Wahrheit handelt.

Woher weiß man, dass es sich um eine Analyse des Begriffs handelt? Eine Möglichkeit, das herauszufinden, ist die folgende Probe:

„Der Mensch ist kein Lebewesen.“

Darauf würde man nicht reagieren, indem man Forschungsergebnisse oder Beobachtungen anführt. Hier würde ein Streit um Definitionen ausbrechen. Man würde fragen, was überhaupt als „Mensch“ oder „Lebewesen“ verstanden werden soll etc.

Ganz anders würde man reagieren auf: „Der Mensch hat keine Leber.“ Hier würde man vielleicht auf ein Biologiebuch verweisen.

13 07 2009
Joachim Horvath

Hallo JH,

kommt es nicht trotzdem ganz darauf an, wie gut die Belege sind, die jemand dafür anführen würde, dass der Mensch kein Lebewesen ist? Analog zu Putnams berühmten Katzenrobotern ist es doch zumindest epistemisch möglich, dass wir entdecken würden, dass wir selbst extrem raffiniert konstruierte Bio-Roboter sind – und somit eben keine Lebewesen (siehe auch den Film „Bladrunner“). Aus diesem Grund scheint mir der vorgeschlagene Test für begriffliche Wahrheiten in jedem Fall unzureichend.

13 07 2009
-JH

Hallo Joachim Horvarth,

bei Katzenrobotern lässt mich mein schwacher Verstand im Stich. Wenn diese Dinge so wunderbar lebensecht konstruiert sind, warum sollte man sich dann weigern, sie Lebewesen zu nennen? Es ist schließlich denkbar, dass Lebewesen künstlich geschaffen werden. Außerdem wäre zu bedenken, dass wir angesichts von Entdeckungen unsere Begriffe ändern.

Abgesehen davon. Die Probe würde ihren Zweck schon erfüllen, wenn sie mit den Beispielen zurechtkommt, die tatsächlich vorkommen.

14 07 2009
thelogosmustgoon

OK, ich hatte unter dem Stichwort „Natur des Menschen“ etwas anderes erwartet, als dass Menschen Lebewesen sind. Ich tendiere dazu, dies wie JH für eine begriffliche These zu halten, wobei sie durchaus falsch sein könnte. Mit anderen Worten, ein Satz kann analytisch, aber falsch sein. „Erdbeeren sind Beeren“ wäre ein anderes Beispiel. Ich habe das mal geglaubt und meine Rechtfertigung war, dass ich den Satz verstehe. Wenn wir uns darauf einigen können, dass begriffliche Rechtfertigung fallibel ist, dann können wir uns vielleicht auch einigen, dass „Menschen sind Lebewesen“ eine begriffliche These ist (die eben auch falsch sein könnte, siehe die Menschenroboter).

Eine anderer interessanter Punkt ist, ob wir in dem Fall, dass wir entdecken, dass wir Roboter sind, wir nicht auch entdecken, dass wir falsche Meinungen über Lebewesen hatten. „Menschen sind Lebewesen“ bliebe dann wahr. Das mag sein, aber wir wüssten meines Erachtens dann nicht, dass Menschen Lebewesen sind. Wir wären gegettiert. (Das erinnert mich daran, dass ich eigentlich mal etwas über Gettierfälle bei begrifflicher Rechtfertigung schreiben wollte. Oder kennt jemand vielleicht Literatur zu diesem Thema?)

14 07 2009
Joachim Horvath

Tim,

ich stimme Dir zu, dass begriffliche Erkenntnisse fallibel sind. Wie erkennt man dann aber jeweils, dass es sich um eine begriffliche Erkenntnis handelt — denn z.B. der von JH vorgeschlagene Test funktioniert für fallible begriffliche Wahrheiten ja eher nicht. Das Problem ist letztlich ein zweifaches: Was unterscheidet begriffliche Erkenntnisse von empirischen Erkenntnissen und was unterscheidet sie von synthetischen Erkenntnissen a priori (falls es solche tatsächlich gibt; viele modale Erkenntnisse könnten hier allerdings ein guter Kandidat sein)?

Den Punkt über Gettier verstehe ich nicht wirklich – worin soll den in der Roboter-Situation unsere Rechtfertigung für die Meinung bestehen, dass Menschen Lebewesen sind? Entweder diese Entdeckung ist ein guter Grund dafür, unsere Theorie von Lebewesen zu ändern (z.B. so, dass auch manche Roboter Lebewesen sein können) – aber dann sehe ich nicht, warum das kein Wissen sein könnte. Oder die Entdeckung ist kein guter Grund, unsere Lebewesen-Theorie zu ändern – aber dann ist es in der Roboter-Situation schlicht falsch, dass Menschen Lebewesen sind. In beiden Fällen kommt keine Gettier-Situation zustande.

14 07 2009
JH

Eine Anmerkung zu begrifflicher Erkenntnis und deren Fehlbarkeit.

Ich glaube nicht, dass man Aussagen wie „Erdbeeren sind Beeren“ an Thesen (oder Erkenntnisse) angleichen sollte, die sich im Hinblick auf Belege als falsch herausstellen könnten. Denn falsch ist eine solche Aussage allenfalls in dem Sinn, dass Erdbeeren nach Definition der Botanik einfach nicht als ‘Beeren’ gezählt werden. In einem ganz anderen Sinne falsch ist die Aussage „In meinem Garten sind zwanzig Erdbeeren“. Hier würde ich nachzählen und wüsste dann, wieviele es sind.

Wir sind geneigt, botanische Definitionen zu übernehmen, billigen der Botanik also eine gewisse Autorität in der Festlegung zu, wie die Pflanzenwelt eingeteilt werden sollte und weisen den Laien, wenn wir denn so pedantisch sein wollen, darauf hin, dass seine Einteilung nicht die richtige ist. Wir belehren ihn wohlbemerkt über unsere anerkannte Art der Einteilung, wir machen ihn mit Festlegungen nicht mit Forschungsergebnissen und Beobachtungen bekannt.

Wollte ich die Aussage, dass Erdbeeren Beeren sind verteidigen, würde ich sie daher nicht in Bezug auf Belege stützen (oder gar meine Kenntnis der Satzbedeutung als ‘Beleg’ anführen), sondern auf meiner gewohnten Verwendung von ‘Beeren’ beharren. Wenn ich umgekehrt einsehe, dass Erdbeeren eigentlich keine Beeren sind, heißt das, dass ich lerne, ein Wort präziser oder wissenschaftlich korrekter zu verwenden. Ein Streit um die Wahrheit der Aussage, dass Erdbeeren Beeren sind, ist also eher ein Streit um die richtigere Verwendung von Sprache und nicht um die tatsächlich Beschaffenheit der Welt.

Also kurz gesagt: Nachforschen oder Experimentieren sind keine geeigneten Wege, begriffliche Erkenntnis zu überprüfen.

14 07 2009
Charles

Sicher kann man auf begrifflichem Wege etwas lernen, denn warum ist es so schwierig – einmal thelogosmustgoons Vorschlag für eine begriffliche Analyse aufnehmend -, etwa ein geeignetes analytisch-wahres (prinzipiell fallibles?) Bikonditional für `Wissen´ zu finden (wenn es so etwas überhaupt gibt oder geben kann)? (Die Frage scheint sicher gerechtfertigt, wenn auch meiner Meinung nach nicht so ohne weiteres eindeutig beantwortbar, was genau man eigentlich lernt.)

Warum sollte der von JH vorgeschlagene Test nicht für begrifflich fallible Erkenntnisse (ich bin mir nicht sicher, inwiefern der Ersatz des Wortes `Wahrheiten´ durch `Erkenntnisse´ nicht rein rhetorischer Natur ist) funktionieren?
Gibt es nicht-fallible begriffliche Erkenntnisse? und welche sollen das sein?, wie könnte man das herausfinden?

14 07 2009
Charles

Wenn die `begriffliche´ Analyse von Wissen etwa auf Analytizität, auf Sprachkompetenz, bauen soll, dann fällt es schon auf, dass es noch keine adäquate Analyse gibt.

14 07 2009
Joachim Horvath

JH,

mache ich nicht einfach einen Fehler, wenn ich angesichts der einhelligen Expertenmeinung von Biologen daran festhalte, dass Erdbeeren Beeren sind. Wäre das nicht genauso dogmatisch, wie daran festzuhalten, dass Wale keine Säugetiere sind, oder wie angesichts der relativistischen Physik daran festzuhalten, dass der Raum euklidisch ist. Letztlich kann man natürlich auf jeden missliebigen Gegenbeleg oder jeden unangenehmen Widerspruch so reagieren, dass man sich einfach auf einen abweichenden Wortgebrauch versteift. Die entscheidenden Fragen sind allerdings erstens, ob man sich in einem solchen Fall wirklich epistemisch rational verhält, und zweitens, ob man an diesem Punkt immer noch die entsprechende öffentlich geteilte Sprache spricht. Hier halte ich in beiden Fällen Zweifel für mehr als angebracht. Und aus diesem Grund scheint es mir auch kein befriedigender Test für eine begriffliche Erkenntnis zu sein, dass man an ihr auch angesichts widerstreitender Belege bzw. Expertenmeinungen festhalten würde. Tatsächlich scheint mir das wesentlich besser als ein Test für Dogmatismus geeignet!

14 07 2009
JH

Joachim Horvath,

der Test soll nur zeigen, worüber man diskutiert und nicht, wie man urteilen soll. Für Dogmatiker müsste man sich einen anderen Test ausdenken.

Zur Frage der Erdbeeren:

Was ich bestreite ist, dass die „Expertenmeinung der Biologen, dass Erdbeeren keine Beeren sind“ durch Experimente, Beobachtungen oder irgendetwas derartiges gestützt wird. Es handelt sich also auch nicht um eine fallible Erkenntnis.

Am Ende hängt alles davon ab, welcher Definition von „Beeren“ man sich anzuschließen geneigt ist. Vielleicht entscheidet man sich dafür, dass Erdbeeren nicht „Beeren“ genannt werden sollten. Vieles spricht dafür – zwar keine Erkenntnisse, aber Sprachrichtigkeit, Genauigkeit und Zweckmäßigkeit der Einteilung.

Andererseits: Wenn ich jemanden aufs Erdbeerfeld schicke, mit dem Auftrag „Pflück mir Beeren!“, wäre ich schon verblüfft, wenn er mir keine Erdbeeren mitbringt.

Ich denke, die Erdbeerenfrage ist ein harmloser Fall von konkurrierenden Begriffsverwendungen.

15 07 2009
thelogosmustgoon

Ich möchte die Frage aufgreifen, ob unsere Meinung, Menschen seien Lebewesen, begrifflich gerechtfertigt und ein Gettierfall sein könnte. Meine Rechtfertigung zu der Meinung
(1) Alle Menschen sind Lebewesen
beruht u.a. auf den folgenden Annahmen:
(2) Ein Lebewesen zeichnet sich aus durch selbständige Bewegung, Sinneswahrnehmung, Fähigkeit zur biologischen Fortpflanzung etc. aus.
(3) Menschen zeichnen sich durch selbständige Bewegung, Sinneswahrnehmung, Fähigkeit zur biologischen Fortpflanzung etc. aus.
Ich werde um des Arguments willen voraussetzen, dass (2) und (3) (und deshalb auch (1) als logische Folgerung daraus) begriffliche Thesen sind. Stellen wir uns nun vor, dass wir (ohne dass wir das bemerkt hätten) alle Roboter sind.

Verschiedene Beurteilungen dieses Szenarios sind nun auf dem Tisch. JH hat vorgeschlagen: (1) ist wahr, (2) und (3) sind falsch. Wir haben uns einfach über die notwendigen Bedingungen für Lebewesensein und Menschsein geirrt. Da meine Rechtfertigung für (1) auf (2) und (3) aufbaut, bin ich gegettiert. Ich habe eine gerechtfertigte Meinung, die auf einer falschen Meinung aufbaut, aber zufälligerweise doch wahr ist.

Nun, ich weiß nicht, ob das eine wirklich plausible Deutung des Menschenroboterfalls ist. Worum es mir geht, ist dies: JH behauptet, „Menschen sind Lebewesen“ könne nicht falsch sein. Ich hoffe gezeigt zu haben, dass man dies zugeben kann und gleichzeitig darauf beharren kann, dass Joachims Menschenroboterfall zeigt, dass wir, wenn JH recht hätte, nicht wissen würden, dass alle Menschen Lebewesen sind.

17 07 2009
Charles

Würde man sagen, dass Platons Diktum `Wissen ist wahre, gerechtfertigte Meinung´ eine begrifftliche Analyse darstellt? Und wenn ja, ist dann aufgrund der Erwägungen Gettiers etwa, und natürlich einiger anderer, diese begriffliche Analyse falsch?

18 07 2009
Charles

„Ob man auf begrifflichem Wege etwas über die Natur des Menschen lernen kann?“
Sicher, wenn man sich z. B. – und darin besteht bekanntermaßen einer der größten und wichtigsten Fortschritte der Zivilisation – nur vergegenwärtigt, was mit der Würde des Menschen oder etwa mit Menschenrechten instand, in einen unhintergehbaren Stand, gesetzt wurde.

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